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Wikifolio, revisited

Einige Zeit habe ich nichts zu Finanzthemen geschrieben. Darum werfe ich heute mal wieder einen Blick auf das Thema Wikifolio.

Auf die Idee brachte mich ein Freund, der ein lebendes Lexikon der Geldanlage ist. Ein paar Jahre ist es inzwischen her, dass wir gemeinsam an dem heute nicht mehr existierenden Wikifolio Old School Invest gearbeitet und fleißig drüber gebloggt haben.

Was war noch mal ein Wikifolio?

Die Vorteile eines Wikifolios liegen auf der Hand: man schneidert sich, ganz wie ein Fondsmanager, ein individuelles Investmentportfolio zusammen. Da das Ganze rein virtuell geschieht, benötigt man im Gegensatz zu einem Fondsmanager aber kein Startkapital. Zunächst wird also nichts wirklich investiert, sondern alles spielt sich in einem Musterportfolio ab.

Dieses bringt man dann ohne großen Aufwand in Form eines besicherten Zertifikates an die Börse. Und erst dann beginnt das reale Investment. Das Wikifolio-Zertifikat spiegelt die Wertentwicklung des Musterportfolios wieder. Jeder, der ein Depot hat, kann es kaufen und investiert indirekt in die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Portfolios.

Ein eigenes Produkt an die Börse zu bringen kann übrigens ganz unterschiedliche Motive haben. Abgesehen davon, dass es Spaß macht, möchte ich hier auf einen Vorteil für sogenannte Kleinanleger eingehen.

Kleinanleger können mit Wikifolios gut diversifizieren

Denn man kann, allen Unkenrufen zum Trotz, klein anfangen mit dem Investieren.

Sagen wir, Du hast nicht mehr als 500 oder 1.000 Euro übrig, die Du an der Börse anlegen möchtest. Und Du möchtest Deine Investments ja diversifizieren, also möglichst über zehn oder zwanzig Titel streuen. Das ist so gut wie unmöglich mit Einzeltiteln: Es gibt Unternehmen, von denen schon eine einzige Aktie teurer ist. Außerdem können einen allein die Handelskosten ausbremsen, sofern man nicht über einen sehr günstigen Broker verfügt.

Nun kann man sein Geld zum Beispiel in einem Aktienfonds anlegen. Allerdings trifft die Entscheidung, was gekauft und verkauft wird, dann jemand anders.

Hast Du ein eigenes Wikofolio an der Börse und investierst in dieses, dann bist Du es selbst: Du schaltest und waltest ja auf der Wikifolio-Plattform in einer virtuellen Umgebung, als ob Dir Millionen zur Verfügung stünden. Dein tatsächliches Investment von z.B. 1.000 Euro ins entsprechende Wiki-Zertifikat verhält sich dann exakt so wie Dein Millionen-Portfolio auf der Plattform.

Als Titel in Deinem Portfolio kommt dabei alles in Frage, was im vorgegebenen Anlageuniversum zu finden ist. Insbesondere Aktien, Optionsschreine, Zertifikate sowie andere Wikifolios. Bonds hingegen sind nicht dabei, und man kann keine Optionen schreiben.

Wo liegen die Haken?

Bezüglich des Aufwandes und der Transparenz gibt es von Seiten des Erstellers eigentlich nichts zu beanstanden. Und für den Anleger stellt sich ein Wikifolio wie jedes andere Finanzprodukt dar, das er bei seinem Broker der Wahl kaufen kann.

Etwas aufpassen sollte man als Investor bei Handelsplätzen und Gebühren.

Der Kauf von Wikifolio-Anteilen funktioniert bei jedem “gut sortierten” Broker. Aus eigener Erfahrung wäre das beispielsweise Comdirect. Trade Republic hingehen hat keine Wikifolios im Angebot. Zu JustTrade und Smartbroker findet man aktuell besonders viele Empfehlungen. JustTrade habe ich mir genauer angesehen.

Comdirect ist relativ teuer bei Einzelausführungen, so dass der Kauf kleiner Volumina hier unnötig ins Geld geht. Man hat aber hin und wieder Angebote am Start, bei denen eine begrenzte Anzahl Wikifolios kostenlos im Sparplan erworben werden können. Genau hinsehen!

Die Sache mit den Dividenden

Ein Wertmutstropfen: Aktien zahlen in der Regel Dividenden, und viele Aktien kommen aus den USA. Seit etwa 2020 hat Wikifolio aufgehört, US-Dividenden in den virtuellen Portfolios gutzuschreiben, und das hat sich meines Wissens nach bis heute nicht geändert.

Schau also genau hin, wenn dieses Segment zu Deinen Bevorzugten gehört. Glücklicherweise ist die Plattform ja sehr transparent, so dass man jede einzelne Zahlung nachvollziehen kann. Es schadet also nicht, auch bei Wikifolios, die sich explizit eine “US-Dividendenstrategie” auf die Fahne geschrieben haben, einmal nachzuschauen, wann tatsächlich die letzte Dividende geflossen ist. Und gib mir gerne einen Wink, falls dieser unglückliche Umstand doch einmal beseitigt sein sollte.


Keine Finanz- oder Anlageberatung. Der Autor kann dauerhaft oder zeitweise in erwähnte Produkte investiert sein bzw. besprochene Services selbst nutzen. Beachte bitte auch die Anmerkungen zu Wertpapieren im Impressum.